Dienstag, 19. Juni 2007


Montag, 18. Juni 2007

Ehe und Staudammbruch während der Familienfeier








oder
Dietmars Jugend war auch nicht ohne DE - Mut
Wir fahren zur Goldenen Hochzeit der Urgroßeltern nach Piskaborn im Harz sagte Mutter.
Mit diesen simpeln Worten begann das Verhängnis!
Meine Urgroßeltern waren ein rüstiges Paar und lebten zusammen mit der jüngsten Tochter in dem Mittelgebirge gegen welches gerade demonstriert wird.
Mein Uropa Karl pflegte zu sagen: Jibb dem Kräpel noch e harlbes ee Harlf platzt der Wanst halt dann platzt der“ Ein Bauer halt.
Meine Uroma war eine feine Dame aus Berlin mit Weisheiten wie:
Man wird älter und dümmer und für höhere Aufgaben immer geeigneter.“
Ein gegensätzlicheres Paar ist kaum vorstellbar. Die jüngste Tochter hatte sich nie entschließen können dort wegzuziehen. Jeder Mensch ist anders dumm“, pflegte Sie zu sagen.
Weitere drei Töchter hatten Nestflucht betrieben, eine war bis Berlin gekommen eine in Dessau hängen geblieben und bei der dritten hatte der Bus schon im Nachbarort eine Panne.
Und schwuppdiwupp waren sie verheiratet.
Hochzeiten ziehen meist Kinder nach sich oder schieben sich vor sich her.
Wie auch immer:
Zur Goldenen Hochzeit meiner Urgroßeltern war eine seltsame Gästeschar zusammengetroffen, die es unter normalen Umständen keine 5 minuten miteinander ausgehalten hätte. Der Berliner Zweig wurde von einem Onkel Rolf beherrscht der im Ministerium arbeitete. Niemand wusste in welchem und was oder wen er dort erledigte, aber nach seiner Aussage war er sehr wichtig. Und sein Sohn Jochen erst.
Der war ein Hauptberuflicher FDJ ler. und konnte klasse Geschichten von randalierenden Jugendlichen erzählen.
Dessen jüngerer Bruder Mario war ein Jahr älter als ich und total in Ordnung. Sein Vater schickte ihn immer zu Union Berlin zum Fußball gucken während Mario eigentlich lieber lesen wollte.
Der Familienzweig der auf einer Harzer Buspanne basierte war unauffällig ländlich und auch dort hatte ich einen Cousin der eine tolle Fußballtröte sein eigen nannte. Mein Harzer Cousin interessierte sich überhaupt nicht für Fußball musizierte aber gern auf Akkordeon und elterlichem Klavier. Ich ging damals in die 8. Klasse und durfte schon allein nach Halle oder MD zum Fußball fahren, während mein Vater es lieber sah wenn ich öfter mal lesen würde aber dazu fehlte mir die Tröte!
Dem wollte ich abhelfen, steckte ein paar Kaugummibilder, ein Draculaposter aus der Bravo sowie meine Sprengelbildsammlung ein um meinem ahnungslosen Musikcousin die Tröte abzukaupeln.
Tja selten interessieren sich die Kinder für das was die Eltern für richtig halten.
Noch einige jüngere Kinder waren auf dem Fest und folglich sollten wir älteren sie beschäftigen. Die Fußballgeschichten interessierten keinen und Akkordeon fiel ganz aus, also gingen wir an den Gebirgsbach, zum spielen. Wir bauten kleine Staudämme und es war drollig wenn sie brachen und das Wasser rauschte. Staudammbauen macht hungrig bald war Mittag und wir gingen zu den Erwachsenen zum Essen. Ministeriums Rolf führte wie immer das Wort der Planerfüllung sein FDJ Sohn sprach von Krawallen beim Motorradrennen in Brünn und mein Vater bezeichnete beide als arbeitsscheue Berufsrevolutionäre was ihm den Ruf eines Konterrevolutionärs einbrachte. Schließlich sei sein Vater ja in der NSDAP gewesen. Ihm seien rote und braune Faschisten zu wieder konterte er revolutionär. Und mit der Frage: Opa wie isn hier das Westbild ich will nachher Sportschau gucken. Heute spielt Bayern gegen den HSV“ goss ich Öl ins Feuer. Das hat man nun davon, wetterte FDJ Jochen los, eine 3 – in Betragen, keine Einstellung zur sozialistischen Schule aber dekadenten Westsport sehen wollen. Dafür hat er aber eine 1 in Chemie und wird mal ein Dopingexperte für den DDR Spritzensport knallte Vater durchaus gekonnt zurück.
Außerdem könne ich supi Staudämme brechen lassen verteidigte mich mein Harzercousin der mir seine Tröte gegen 2 Kaugummibilder und das Draculaposter überlassen hatte.
Das Essen schmeckte und wir schmiedeten Staudammpläne vom feinsten.
Kaum hatten wir das Essen fertig da rasten wir los, diesmal mit Spaten, Beil und Radehacke bewaffnet. Ein echter Quantensprung in Sachen Staudammbau war aber Gunnar. Er zeigte uns nicht nur einen großen Haufen Schlackesteine, er besorgte noch 2 Schubkarren zum Transport und ließ auch noch die Dorfjugend zur Unterstützung antreten. Jetzt kam die Sache richtig ins Rollen. Erst schafften wir mal Material ran. Dann wurde ein kleiner Behelfsdamm gebaut, hier konnten wir auf unsere vormittäglichen Erfahrungen zurückblicken. Und 2 m dahinter kam der Hauptdamm. In Rekordzeit zogen wir eine 1m hohe und 2m breite Wand aus Schlackewürfeln hoch welche wir mit Grasnarbe abdichteten und mit eingeschlagenen Holzpfählen verstärkten.
Zum Kaffee waren wir fertig. Gingen wieder zu den Erwachsenen und berichteten stolz von unserer sozialistischen Aufbauleistung. Das Kaffeetrinken zog sich hin aber dann überredeten wir den Großteil der Erwachsen zum Spaziergang mit Staudammbesichtigung. Einige schnauften ganz schön als sie den kurzen Anstieg bewältigen mussten von welcher der Gebirgsbach hinabplätscherte. Nur eben nicht heute! denn das Bachbett war trocken. Wir freuten uns, unser Damm hielt den Wassermassen stand. Und was wir dann sahen übertraf die Erwatungen aller weit über das denkbare hinaus! Der Bach war auf eine Länge von 30m ca.1m hoch gestaut, hatte eine Obstwiese ¸berschwemmt, und war an einer Stelle ca. 50 m breit. FDJ Jochen und Ministerium Rolf hielten sogleich stramme Reden über Erfolg und Beharrlichkeit beim Bau körperlichen und geistigen Einsatz einer entwickelten sozialistischen Persönlichkeit und Rolf machte sich zum Staudammbetreiber während Jochen zum real existierenden Wasserversorger mutierte. Gunnar und das fleißige Volk wurden nicht erwähnt. Typisch“ grummlte der. Die einen schuften und die anderen nehmen sich Rum und Aehren.“
Mein Vater blieb sachlich begann zu rechnen 30 m lang mal 1m hoch mal durchschnittlich 20 m breit macht grobgerechnet 600 t Wasser. Wenn die ins Tal brausen! Und schon nahm er sich Opa Karl beiseite.
Dieser beschwichtigte sofort: bei hohem Wasserstand lasse sich im Dorf ein Wehr ziehen, dann fließe das Wasser am Dorf vorbei in den Chausseegraben.
Sprachs aus,da brach auch schon der Damm.
Das Wasser stürzte zu Tal, das Wehr war unten es war ja Sommer und wenig Wasser, eigentlich. Und unsere Eltern rannten hinterher und schrieen wild durcheinander.
Ich konnte mir ein "Der Sozialismus lebe hoch,hoch hoch“! nicht verkneifen und schlenderte zur Uroma zurück. Ich war mir sicher, dass der Schaden so groß war, dass man ihn auch nach der Sportschau noch betrachten könne. "Wo sind denn die anderen“? fragte mich Tante Hedwig die Frau von Ministerium Rolf. "Och,“ sagte ich, Schulzes haben ein Wasserproblem, die sind helfen.“ "Und Du?“ fragte sie weiter.
"Na ich guck Fußball der HSV is drei Punkte vor und spielt heut in München“! "Ach du und dein Westfernsehen“ sagte Tante Hedwig und griff mir beherzt in die Hose.
Was die Kommunisten nicht alles tun um unsereinen vom Westfernsehen abzuhalten, dachte ich als mich meine Tante in die Vorratskammer schob. Ihr voller Körpereinsatz beeindruckte mich sichtbar. Na den Elfmeter machst du doch locker rein dachte ich mir. Und während ich meine Tante der Zufriedenheit entgegen ruckelte überlegte ich mir. dass Spitzenspiel wird sicher erst zum Schluss ¸bertragen, es ist noch etwas Zeit. Und dann war mir plötzlich so, als müsste aus dem Hintergrund Rahn schießen, Rahn schießt und ja, ja, Jaa, JAAAA Deutschland ist Weltmeister! Quatsch! Aber ein schönes Gefühl der Erleichterung war es schon!
Huijuijui seuftze Hedwig und gab mir eine ekelig nach Rauch schmeckenden Kuss.
Jetzt musste alles ganz schnell gehen: Hose hoch, Bier auf, Fernseher an und schon stand es 1:0 für die Bayern, Ausgleich 1:1 durch Jimmy Hartwig 2:1 zur Pause 3:1 durch Hoene, das Spiel scheint entschieden, da tritt van Heesen zum legendären Solo an 3:2 dann Horschte Hrubesch 3:3 und in der 90. Minute Freistoß und Tor, Toor, Tooor!
Der HSV gewinnt in München und ist 5 Punkte vor. Zeit mal bei Schulzes vorbei zu gehen.
Da war immer noch voll das Chaos. Der Bach war über Wehr und Straße, hatte Schulzes Tor aufgedrückt, die Jauchegrube überschwemmt und den Misthaufen direkt in die Küche gespült. Der Karnickelstall war umgefallen und überall Schlamm. Man sieht ja hier aus als wenn Union spielt versuchte ich meine Cousin zu trösten der von Vater und Bruder abwechselnd Prügel bezog.
Typisch Planwirtschaft schimpfte Bauer Schulze vor 7 Jahren hat` s gebrannt und heute schicken sie das Löschwasser!
Und da haste noch Glück das Sommer ist, fügt mein Vater hinzu im Winter hättes du es erst auftauen müssen.
Der Staudammbau verlief reibungslos aber als unser Experten für Dummlabern das Kommando übernahmen ging alles den Bach runter. versuchte ich eine Erklärung. Ich geh dann mal die Tiere beruhigen, zog ich mich in den Teil des Hofes zurück der vom Wasser am wenigsten betroffen war. So strich ich über Pferderücken gab ihnen Kartoffeln zu essen kraulte der Kuh das Ohr währenddessen sich die Erwachsenen ihre Sonntagsanzüge ruinierten.
Spät Abends kehrten dann alle ziemlich geschafft auf Urgroßmutter` s Hof zurück.
Rolf und Jochen schrieen und keiften in einem fort gaben mir und dem Bitterbösen Klassenfeind die Schuld und verlangten Schadensersatz in Westgeld. Als Gentelman der ganz alten Schule konnte ich ja nicht sagen:
Ich hab schon bei Hedwig in natura bezahlt. als schwieg ich erst mal. Und wie das so ist wenn man den Mund hält gleich fallen alle über einen her. Mein Cousin fühlte sich um die Tröte betrogen, nach Vater `s Meinung war der falsche Hof überschwemmt worden und die rote Mafia aus Berlin bezichtigte mich der Sabotage und der Vernichtung wertvollen sozialistischen Volksgutes, Mutter war sauer weil ich mich als einziger nicht schmutzig gemacht hatte und Uroma fand dass ich zuwenig gegessen hatte.
Nur Tante Hedwig sagte: "Der Junge hat auch sein Gutes“ und brachte mich ins Bett.
So schlief ich ein träumte von weiteren Siegen des HSV und sah mich schon im Volksparkstadion tröten.
Und tatsächlich wenige Wochen später wurde der HSV deutscher
Fußballmeister.

Sonntag, 17. Juni 2007

Kleine Namenskunde




Wie das Heft zu dem selten bescheuerten Namen kam. Und warum aus Nympho doch mal noch was werden könnte.Aus Halle berichtet Robert Romantik
Affenzirkus. Selten dämlicher Titel. Affenzirkus 47 auch noch. Mit dem Namen ist es ein bisschen so wie mit der Gesundheitsreform der Großen Koalition. Keiner will es gewesen sein, keiner wollte ihn, trotzdem ist er da. Der Name. Affenzirkus. So ein Scheiß.


Aber der Reihe nach. Nympho fing mit der ganzen Namendiskussion überhaupt erst an.Okay, ohne ihn gäbe es auch gar kein neues Heft. Jedenfallswar er der Meinung, wir sollten den Namen Arbeitslosenkurier ablegen. Weil wir nicht mehr die sind, die wir einst waren, als noch mehrere Hefte in einem Jahr rauskamen und nicht ein Heft in mehreren Jahren. Sein Vorschlag: Monkey Business. Google sei dank konnte ich diesen Namen verhindern, den so heisst eine Platte der unsäglichen Black Eyed Peas.
Mein Favorit: Post Porn Politics,zwar geklaut aber nicht unpassendDie pubertäre Pornophase verlassen, das ist knallharte Politik, Baby!
Sowaswie knallharte Politik war auch ein Geheimtreffen von Nympho und Schlawiner, nur um mir hinterher zu sagen, mein Vorschlag wäre ihnen zu englisch. Außerdem solle der alte Titel, Arbeitslosenkurier 47 (kurz AK 47), im neuen irgendwie enthalten sein. Wobei Schlawiner am liebsten den alten Namen beibehalten hätte, O-Ton: nie war er wahrhaftiger als heute. Mir war zu diesem Zeitpunkt die Namendiskussion bereits scheißegal.
Naja, rausgekommen ist also AffenzirKus 47. Nie war ein Fanzine-Name dämlicher. Na gut, außer vielleicht Ox und Raumschiff Wucherscheiss. Ist auf Nympho´s Mist gewachsen. Und wenn ich es mir recht überlege, hat Nympho uns wieder ganz schön über ´s Ohrgehauen. SeinenMonkey (=Affen)hat er, der alte Name ist futsch, AK 47 aber noch drin.
Womit wir wieder bei der Politik wären. Die eigenenMaximalforderungen durchsetzen ohne das es die Anderen merken,dass macht, so glaube ich, knallharte Machtpolitik aus Vielleicht sollte sich Freund Nympho hier eun neues Betätigungsfeld suchen,nachdem sich das Managen abgehalfteter Schlagerstars nicht als wirklich gewinnbringend erwiesen hat.

Talent jedenfalls hat der Junge.

Donnerstag, 14. Juni 2007

nymphos flimmerecke # 2




sheer terror "beaten by the fist of god"

der anfang dieses unterhaltsamen filmchens gestaltet sich, für mich zum glück, gleich als der schlechteste part,irgendwelche pseudo promis halten die gezeichneten gesichter in die kamera und bekunden frohen mutes wie wichtig die band war,ist,oder shoud be.ausnahmne der blood for blood assi der ,förmschön mit knasträne am linken auge, den eindruck macht,sich gleich die birne wegzuschießen.auch der letzte ramone erblödet sich nicht mit schiefer perücke seinen senf kaugummikauend abzugeben.dann folgt durch wackelige bilder und gelegentlichen intervieweinstreuern anschauungsunterricht darin,was die zeit im allgemeinen und ein haltloser lebenswandel im besonderen aus menschen machen können,besonders aus dem sänger.da dies aber 1. völlig irrelevant und 2.sein problem ist,nur eben als kurze randbemerkung.
falls der zuschauer einigermaßen im englischunterricht aufgepasst hat,dürfte
der new york-sche kauderwelsch nicht allzu schwierig zu verstehen sein.
man erzählt über lustige anekdoten(selten) und bandgeschichte (häufig),falls
irgendwer von euch gretins da draussen an stilvoller untermalung einer
schlägerei (natürlich ohne mich),hintergrundwissen für den heimischen hobbykeller,oder was auch immer, innterssiert ist,greift zu.
am ende folgt dann noch das letzte konzert in new yorks schmuddelkaschemme no.1.ich hätte zwar gerne noch ein paar andere lieder gehört,aber nun gut


AK 47 Gedichtabteilung Teil1


Immatrikulation XVIII
„Dem Orden Verschworene"
(von Sonja Drews)

Deutschland - Odem - Rachegestus
Innovation ohne Rasseln im Schrank
Hakengestrüpp über Gräberfeld harken
Den Euro verachtend
Heldengedenken ist Herzenssache
Nur Führer! Führer! Führer! im Kopf
Und irre
Schön singen davon und weinen am Feuer des Abends
Mit billigen Steaks zwischen blitzenden Zähnen
Der „Jungz", die Deutsch kaum schreiben
Aber schreien können.
Und immer der Wettstreit der Biere
„Gestern hatte ich dreizehn, das erste mal!"
„Weiter so, Kamerad!"
Und Schwachpunkte suchen bei Schwachen
Und treten und treten wenn die Schmächtigen
Feinde schon liegen.
Und jetzt noch der Angriff nach Oben
Mit Schrift und Wort und Kameradenmord
Wird auch gedroht dem Abweichler
Was für ein spannend Spiel
Was für ein Spiel
Ein Spiel
„Ich komme aus der Uckermark!"
„Ich bin vom Elbsandsteingebirge!"
„Ich bin aus dem Anhalter Gau!"
„Ick bin aus der Reichshauptstadt!"
„Ich komme aus Pirna!"
„Ich bin aus dem Ruhrgebiet!"
„Ich komme aus Cottbus!"
„Meine Vorfahren hatten einen Hof im Sudetenland!"
„Ich komme aus dem Harzgau!"
„Ich bin aus Magdeburg!"
„Meine Heimat ist Tirol!"
„Ich bin aus dem Thüringer Land!"
„Ich komme von der Küste!"
Und darauf ein dreifaches „88!, 88!, 88!"
„Kamerad, die Quersumme!" „16!"
„Kamerad, die Wurzel!" „9,3808315196468591091312602270889!"
„Kamerad, die Quadratzahl!" „7744!"
„Brav! Und jetzt werden T-Hemden bedruckt für den Sieg!"

dietmar bach
berlin, stadtschlosseinweihung, 2012

und
im moment des gläserklirrens
krachten die sätze der sprengladungen
und
das stadtschloss fiel in sich zusammen
vor den augen der honoratioren
und
ihrer schafsäugigen gattinnen
die gleich an ihre klunkerchen dachten
vor schreck

Mittwoch, 13. Juni 2007

nur so...

Das Treffen

5.32 Uhr:
Der Wecker beendet meinen unruhigen Schlaf. Unruhig wie vor einem ungewissen Prüfungsausgang.
Und sehr ungewiß ist auch der Ausgang des neuen Tages.
Gut das gleich am morgen eine Entscheidung fallen wird.
Gut ist auch, die Entscheidung kann kein Kompromiß sein . Es bleiben nur zwei Alternativen und irgendwie sind mir jetzt beide recht.
Das war bei weitem nicht immer so und während ich unter die Dusche stolpere erinnere ich mich.
Als ich sie das erste Mal sah, war ich verwundert über ihre äußere Robustheit und wenig später ging sie mir das erste (und wie sich später herausstellen sollte auch das einzige) Mal gewaltig auf die Nerven, indem sie etwas kritisierte ohne Einblick zu haben. Aber dadurch nahm ich sie von Anfang an sehr ernst.
Zwangsläufig trafen wir uns nun einmal in der Woche und kamen uns langsam näher.
Die „Chemie“ stimmte und wir waren uns sympathisch. Alsbald gingen wir folgerichtig einen Ball kaufen, wobei wir über uns sprachen, wohl etwas mehr über mich, denn ich hätte schwören können, dass sie in mich verliebt sei so traurig sah Sie mich an.
Hu ist die Dusche kalt, aber wenigstens bin ich wach. Was nützt es in der Vergangenheit zu schwelgen ? Die Zukunft wird in der Gegenwart gemacht !
Ist das wirklich so? - frage ich mich beim Anziehen.
Ist nicht vielmehr in der Vergangenheit entschieden worden und wird nicht vielmehr in der Gegenwart erst ein folgenreiches Resultat sichtbar ? Und ist nicht das Resultat der Vergangenheit, die Gegenwart welche erst eine Zukunft ermöglicht, wie immer diese auch aussehen mag ?
Solche Fragen sind mir wichtig als ich die Treppe hinabsteige und ich bin verwundert wie unwichtig mir im Vergleich dazu das tatsächliche Ergebnis wird.
Trotzdem ich davon überzeugt war, dass Sie mich liebt hätte ich nicht gedacht das es einmal soweit kommt. Klar fühlte ich mich zu Ihr hingezogen, Sie ist jung und unbekümmert aber das wir gleich ...

Kühler Morgenwind saust um meine Nase und vertreibt meine aufregenden Gedanken. Man merkt der Stadt an, dass Sie an einem Dienstagmorgen erwacht. Alles ist nicht mehr so hektisch wie an einem Montagmorgen aber auch nicht so routiniert wie an einem Mittwoch, es ist halt Dienstag und es ist kühl und trübe und gar nicht sommerlich.
Als ich das Garagentor aufschließe spekuliere ich wie mir am Abend zu Mute sein wird. Egal jetzt ! Wir haben etwas sehr schönes getan und ich möchte keine Sekunde missen. Ich kann mit der Konsequenz leben aber lieber wäre mir, wir hätten uns zu ihr entschlossen, um der Konsequenz willen. Nun, ich fahre los und schimpfe mich selbst einen Feigling, meiner Bedenken wegen. Glücklicherweise bin zuerst am vereinbarten Treffpunkt, so habe ich noch etwas Zeit den Augenblick „davor“ zu genießen.
Es ist 5.52 und etwa 2min passiert nichts. Auch mein Kopf ist völlig leer. Dann erkenne ich Ihren Wagen. Er kommt mit Warnblinkanlage auf mich zu. Wir steigen aus. Die Spannung ist unerträglich, dennoch werde ich nicht danach fragen. Vielmehr sage ich Guten Morgen und frage wie Sie geschlafen hat und ob Sie noch Halsschmerzen hat.
Sie antwortet und sagt beinahe ärgerlich ob meiner nebensächlichen Fragerei :
„Ich bin übrigens nicht schwanger“.
Ich versuche Sie in den Arm zu nehmen und sage:
„Macht nichts, versuchen wir es eben noch mal.“

Ingwiner Schlawiner